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Körper, Energie und Geist sind in vollständiger gegenseitiger Abhängigkeit und deshalb beginnt man in der tibetischen Tradition mit diesem Motiv Yoga zu praktizieren.
Der tibetische Yoga der Bewegung kann für jeden Menschen von grundsätzlicher Bedeutung sein, da jeder von uns wissen sollte, wie wichtig die genaue Kenntnis der relativen Bedingungen für unsere normale Situation im alltäglichen Leben ist und welche Rolle sie in unserem Leben spielt. Dies merken wir oft erst, wenn wir mit ernsthaften Schwierigkeiten im Leben konfrontiert werden und so verwirrt sind, daß unser Geist keine Lösung der Probleme sieht. Solche Schwierigkeiten geistiger Natur sind in völliger Abhängigkeit von unserem physischen Körper und dessen Energien.
Die physischen Energien sind abhängig von der
Atmung, und diese wiederum ist mit der Energie in Verbindung. Atmung
und Energie stehen somit in wechselseitiger Abhängigkeit mit dem
physischen Körper. Deshalb führen wir, um den Geist und die
physischen Energien kontrollieren zu können, bestimmte Bewegungen
aus und nehmen gewisse Körperhaltungen ein. Jede dieser
Positionen und Bewegungen hat eine bestimmte Wirkung auf Geist und
Energie. Der Geist ist in Abhängigkeit von den physischen
Energien, und deshalb ist es von entscheidender Bedeutung,
zunächst diese physischen Energien kontrollieren zu
können. Da die Atmung in Abhängigkeit von physischen
Bewegungen und Köperhaltungen ist, wenden wir diese an, um einen
positiven Einfluß auf unseren Geist und Energiehaushalt zu
bewirken. Auf dieser Grundlage ist es uns dann möglich, die
Situation gemäß den Anforderungen an unseren Körper,
unsere Stimme oder Energie und unseren Geist zu beurteilen und
entsprechend zu handeln. Wenn wir das Problem nicht direkt mit unserem
Geist durch Nachdenken und Urteilen angehen können, was oft der
Fall ist, wenn physische Energien, die Atmung und unser Nervensystem
gestört und durcheinander geraten sind, dann können wir
Techniken und Methoden wie jene des tibetischen Yoga der
Bewegung für Körper und Atmung anwenden, und so indirekt auf
den Geist und die Gedanken, auf Nervosität und Unruhe
einwirken.
Wenn von Yoga und speziell dem tibetischen
Yoga der Bewegung die Rede ist, denken viele Menschen
zunächst an eine Art von oberflächlicher Gymnastik. In der
Praxis des Yoga gibt es mit Sicherheit viele verschiedene
Körperhaltungen und Bewegungen, diese sind jedoch von relativer
Bedeutung. Es geht nicht in erster Linie darum, die Glieder zu lockern
und körperliche Beweglichkeit zu entwickeln, denn es geht
nicht um etwas ausschließlich Physisches. Die Grundlage des
Yantra Yoga, des Tibetischen Yoga der Bewegung, aber auch jeder
anderen tiefgründigen Belehrung des tibetischen Buddhismus, ist
die Kenntnis unseres Zustandes, unseres menschlichen
Daseins.
Im System des tibetischen Yoga oder Yantra, das wir ausüben, gibt es im wesentlichen fünf Arten von Atemübungen. Und diese fünf Übungen haben die Funktion, den Zustand der Natur des Geistes zu verwirklichen und zu stabilisieren, indem die karmische Atmung in den Zentralkanal gebracht wird. Dieser stellt den Zustand der Kontemplation dar. Wer sich im Zustand der Kontemplation befindet, hat keine Probleme mit dem Energiegleichgewicht. Die Koordination der Energie ist der eigentliche Grund dafür, Atemübungen im Yantra Yoga zu machen.
Was bedeutet Yantra? Es bedeutet Bewegung, tibetisch Trulkhor (phrul khor). Tatsächlich sind die Bewegungen in dieser Praxis wichtiger als die Körperpositionen. Bei unterschiedlichen Bewegungen ändern sich nämlich auch die Bedingungen der Atmung. Die Atmung ist mit der Wirkungsweise der Lebensenergie des Prana verbunden. Will jemand also Prana koordinieren, muß er dies durch Bewegung tun.
Was erreicht man, wenn man diese Praxis übt? Jemand, der verwirrt und aufgeregt ist, kann einen Zustand der Ruhe erlangen. Weiter ist es möglich, im Zustand der Ruhe Kontemplation zu entfalten. Wer den ruhigen Zustand entwickelt hat, kann durch diese Übung die alltäglichen Gegebenheiten der Existenz in den Zustand integrieren, den er oder sie in der Praxis gefunden hat. Alle Bewegungen, die man im Yantra Yoga macht, dienen grundsätzlich dazu, einen natürlichen Zustand der Ruhe zu erlangen.